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Aus der Sammlung

Tuck In With The Natural Yoghurt Band

In meinen Händen halte ich ein Schätzchen, welches schon lange – nämlich seit erscheinen im Jahr 2011 – in meiner Sammlung schlummert und viel zu selten seinen Weg auf den Plattenteller findet. Und dies völlig zu Unrecht. Den dieses zweite Album der Naturjoghurtler Miles Newbold und Wayne Fullwood ist in vielerlei Hinsicht ein Schmankerl für Vinyl- und Musikliebhaber. So hat man sich etwa beim Format für die fetzige Variante 2×10” entschieden und verpackt das ganze in ein dickes Stück Pappe von Mini-Gatefold-Cover. Selbiges bietet, einmal von Cellophan und Einlegezettelchen befreit nur noch am Rand Informationen zum Inhalt. Ansonsten versperrt nichts mehr den Blick auf das meiner Meinung nach gelungene schwarz-weiß gepunktete Wellenmuster.

yogurtband2Genug Vorgeplänkel! Was gibt es denn nun auf die Ohren? Oh ja, das ist interessant. Wir haben es hier mit recht beatlastigem Material zu tun, was sich irgendwo in der Gegend von fast schon psychedelischem Funk einordnen lässt. Da knallen die Schlagzeugbeats, die so gut wie immer ordentlich durch den Kompressor gemangelt wurden. Kalimba, Mallets und Percussion klappern und poltern und klingeln vor sich hin. Manchmal gibt es auch gefühlvolles Klavier. Und wem das jetzt schon wieder zu ruhig ist, dem gefällt sicher die debile Flöte, die hier und da ihren Weg in die Stücke findet.

yogurtband3Mit Naturjoghurt jedenfalls hat das nicht viel zu tun. Hier gibt’s eher ein rohes Stück Fleisch. Alles ist unheimlich retro abgemischt. Auf wirklich jedem Instrument scheint ein Fuzz zu liegen. Es zieht und zerrt an allen Ecken und Enden. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein gewisser Herr Tarantino hier sicher den ein oder anderen Titel für den nächsten Filmsoundtrack finden würde. Und während ich das hier schreibe, schreit mich auch schon wieder eine Orgel an. Es ist einfach unglaublich! Der absolute Gegenentwurf zu Hifi! Eigentlich müsste ich jetzt das Licht dimmen, mir die Bude schnell zuqualmen und einen halben Liter kneipentauglichen Whiskey auf ungeschliffenem Paketboden verschütten. Dann würde die Atmosphäre passen.

yogurtband4So, gerade habe ich Seite C aufgelegt und es wird tatsächlich (im positiven Sinne) nicht besser. Nun wurden klassische Instrumente beiseite gepackt und die Synthies rausgeholt. Alles schön hoch bis am Mixer alle LED-Ketten im Rotbereich blinken. Filigran ist hier nichts. Das soll aber nicht heißen, dass die Musik keinen Anspruch hätte. Die Beats sind durchaus ausgefallen. Die Melodien und Harmonien nicht aus dem Pop-Konfektionsgrößenladen. Eine tolle Platte die sich so runterhört. Ich muss die glaube ich mal über einen Gitarrenverstärker hören! Großer Spass meine Freunde!

Alles in allem ist es – und das nicht nur in produktionsmäßigem Sinne – ein Knalleralbum, welches neben meiner Wenigkeit auch dem aufgeschlossenen Musikfreund gefallen sollte.

Nachfolgend gibt es drei Titel zu hören, die einen guten Querschnitt durch das Album bieten: Eastern Promise, Tweed Suit und Psalm.

Discogs Release Seite mit Kaufangeboten

Natural Yoghurt Band auf Now-Again.

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